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Rassismus aus der Mitte

© ZEIT online, dpa 18.6.2008 

Ausländerfeindlichkeit ist einer neuen Studie zufolge in Deutschland wesentlich verbreiteter als bislang angenommen – und das nicht nur an den Rändern der Gesellschaft.

Für die Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung haben Wissenschaftler der Universität Leipzig Gruppendiskussionen in verschiedenen Städten und Regionen durchgeführt. Was sie dabei zutage förderten, erschreckte sie zum Teil selbst. Teilnehmer hätten ablehnende Haltungen gegenüber Ausländern «mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit geäußert – auch bei Personen, die in einer ersten Studie nicht durch rechtsextreme Einstellungen aufgefallen waren», berichtet der Psychologe Oliver Decker, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war. «Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf», sagte er. 

Decker führte dies auch auf den Umgang mit der Vergangenheit in beiden deutschen Staaten zurück. Rechtsextremes Gedankengut sei in der Nachkriegszeit in beiden Teilen Deutschlands nur aus der Mitte der Gesellschaft verdrängt worden. Der mit dem Wirtschaftswunder in Westdeutschland relativ schnell einsetzende Wohlstand habe weder für Nachdenklichkeit noch für Scham Raum und Zeit gelassen. 

Eine ähnliche Entwicklung hätten sich Ostdeutsche nach der Wende erhofft. Die Enttäuschung dieser Erwartung hätten sie dann mit Politik- und Demokratieverdrossenheit beantwortet. 

Für die Studie hatten Psychologen und Soziologen der Unit Leipzig im Jahr 2006 zunächst 5000 Deutsche bundesweit auf ihre Zustimmung oder Ablehnung zu rechtsextremen Aussagen befragt. In einer zweiten Runde wurden später 150 Teilnehmer nach unterschiedlichen Kriterien ausgewählt und zu Gruppendiskussionen eingeladen.

«Erschreckend war für uns, wie gern die Befragten auch die bescheidenste Demokratie gegen autoritäre Strukturen eintauschen würden, in denen vermeintlich Ordnung, Ruhe und Chancengleichheit herrschen», sagte Decker. Viele junge Leute hofften auf «irgendeinen Führer». Für Menschen mitten im Leben sei Politik ohnehin nur Lug und Trug, während die Älteren die klaren Regeln ihrer Jugend – im Osten die Repressalien in der DDR, im Westen die Nazizeit – als Vorbild heranzögen.

 
 
 
 

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